Nach einem reichhaltigen Frühstück verlassen wir die Küstenregion von Montenegro und fahren über Cetinje in Richtung der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica. Heutiges Tagesziel ist einer der Gründe, warum wir diese Balkanreise angetreten haben: Wir wollen an die Stelle, an der Torsten vermutet, dass sein Opa Jakob im Zweiten Weltkrieg zunächst schwer verwundet wurde und anschließend an die Stelle, an der er nach Torstens Vermutung gestorben ist. Die Erläuterung, wie diese Vermutung zustande kam, ist für diesen Blog zu umfangreich und wird (vermutlich) irgendwann in einem Buch enden.
Zunächst führt unser Weg die Küstenberge hinauf und wir können nochmals einen Blick von oben auf unser vorheriges Etappenziel Budva werfen.





Über Cetinje und den nördlichen Rand von Podgorica nähern wir uns dann aber schließlich dem eigentlichen Ziel, dem Tal und Canyon des Flusses Moraca. In diesem Tal kam es wohl zu einem alliierten Luftangriff an die sich zurückziehenden Einheiten, denen auch Torstens Opa angehörte. Bei diesem Angriff wurde er durch einen Bombensplitter schwer verletzt. Man lud ihn auf einen Sanitätswagen, der in Richtung Kolasin davon fuhr. Ein Kamerad von Jakob beschrieb in einem Brief nach dem Krieg die Situation in dem Tal wie folgt: „rechts der Fluß, links öde Felsen“. Wenn man selbst mit dem Auto durch das Tal fährt, kann man diese Ausweglosigkeit in der Situation des Angriffs nachempfinden:




Auf der Fahrt mit dem Sanitätswage nach Kolasin ist er unterwegs gestorben. Sein offizieller Todesort ist „An der Straße zwischen Bioce und Kolasin“. In dieser Zeit sind zusammen mit Jakob mehrere Soldaten auf dem Rückmarsch an der Strecke zwischen Bioce und Kolasin gestorben, doch heute kann man mit bloßem Auge keine Hinweise auf frühere Soldatengräber finden. Torsten vermutet, dass Jakob an einer Straßenschleife in der Nähe des Ortes Lopate begraben wurde. Wir fahren daher an die ehemalige „Schicksalsbrücke“ des damaligen Rückzugs der Einheit von Torstens Opa, und fahren den damaligen Passweg über den Vjetarnik nach Kolasin. Heute führt dort eine Autobahn hin, doch damals war dieser schmale Passweg der einzige verbliebene Rückzugsweg dieser Einheiten.










Lopate ist ein Ort, der an dieser Passstraße liegt. In Lopate befand sich um die Zeit von Jakobs Tod noch ein Feldlazarett. An der besagten Straßenschleife befindet sich ein kleiner Feld- bzw. Waldweg, der sich damals angeboten haben dürfte, um mehrere Gräber auszuheben, was in der Nähe eines Lazaretts immer notwendig war. Zu Beginn des Feldweges finden wir einen kleinen Fleck, der betoniert ist. Ist das vielleicht eine Betondecke eines früheren Mehrfachgrabes? Wir vermuten, dass dies die Stelle ist, an der Jakob begraben wurde. Wir verstreuen etwas mitgebrachte Erde aus der Heimat, sodass Torstens Opa, wenn er auch nicht mehr nach Hause zurückkehren konnte, wenigstens noch etwas Heimaterde nun in seiner Nähe hat.




Wir fahren dies Passstraße zu Ende bis nach Kolasin, wo wir ein spätes Mittagessen einnehmen. Zurück nach Podgorica nehmen wir die neu gebaute Autobahn, was nach einer Fahrt mit durchschnittlich 20-30 Stundenkilometern auf der Passstraße deutlich entspannter ist.





Nach einer kurzen Suche in Podgorica finden wir unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte. Unser Vermieter ist sehr nett und seine Frau macht uns am Abend sogar noch Pancakes! Da wir nicht wussten, dass heute nochmals Feiertag ist, ist das eine sehr erfreuliche Überraschung.

Kilometerstand am Abend: 1956 Kilometer
Unsere Tour heute: